Teneriffa im Nebel - Flug DUS-TFS am 05. Februar 2013.
Teneriffa im Nebel - Flug DUS-TFS am 05. Februar 2013.

Wie alles anfing...

La Gomera ist die zweitkleinste der Kanarischen Inseln. Als ich das erste Mal dort war, muss es wohl 1989/90 gewesen sein. Ich hatte gerade meine Wehrpflicht bei der Bundeswehr abgeleistet und weil ich nicht viel Geld hatte, wurde ich von meiner Mutter eingeladen, zu einer Pauschalreise nach La Gomera. Damals gab es ja die Fernsehserie "Lindenstraße" und darin war ein Familienvater abgehauen nach La Gomera, um dort ein neues Leben zu beginnen. Die "Lindenstraße" war ja eine der beliebtesten Serien überhaupt, obwohl niemand zugeben wollte, sie einzuschalten, hatte sie doch sehr hohe Zuschauerzahlen. - Jedenfalls war meine Mutter neugierig geworden, was es damit auf sich hat, und hatte drei Wochen im "Tres Palmeras" im Ortsteil "La Playa" gebucht.

Naja, ich wollte nie so werden, daß ich mein Leben lang an den selben Urlaubsort verreise, aber was La Gomera betrifft, habe ich nach dem 8. Mal aufgehört zu zählen. Was Ibiza betrifft, müsste ich bald bei 20 angekommen sein, aber das ist ein anderer Artikel.

Dahinkommen

Schon die Anreise dahin, verlief etwas unkonventioneller, als der durchschnittliche Tourist das gewöhnt ist: Nach gut 4-stündigem Flug landete die Maschine in Teneriffa Süd und dann gab es gleich einen Bustransfer nach Los Cristianos / Playa de las Americas, von wo die Fähre nach La Gomera startete.

Die Fähre fuhr nicht sehr häufig, zu dieser Zeit war es dreimal am Tag: Die Morgenfähre, die Mittagsfähre und die Abendfähre. Das Touristikunternehmen, mit dem wir gekommen waren, hatte die Abendfähre gebucht und wir wurden deshalb für 4 Stunden in einem Hotel in Los Cristianos abgesetzt. Wir wurden also zunächst einmal vor einem Gebäudekomplex abgesetzt, den man, als Dorfbewohner als "Hochhaus" bezeichnen würde. Allerdings mit vielen Sternen, mindestens vier oder sogar fünf. Durch eine opulent gestaltete Eingangshalle gelangte man dann auf einen Innenhof, mit einem Swimming-Pool! Rund um den Pool lagen krebsrot gebräunte Briten und ebensolche Frauen. Und sie schienen den ganzen Urlaub hier zu liegen, in diesem u-förmig angelegten Hochhauskomplex mit einem standardisierten Pool darin. Nach einem kurzen Rundumblick in dieser relativ trostlosen Ferieneinrichtung ging ich dann wieder durch die Empfangshalle nach draussen und setzte mich an die Straße, dort standen wenigstens ein paar Palmen herum, die Erwartungen weckten, auf das, was vielleicht noch kommen würde.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sammelten sich immer mehr Passagiere aus dem Flugzeug vor dem Hotel und irgendwann fuhr auch ein Reisebus dort vor. Kaum hatte der Bus angehalten, stürzte die verzweifelte Reisegruppe darauf zu, aber der Busfahrer versuchte mit Handbewegungen deutlich zu machen, daß sie nicht einsteigen sollten. Die anfängliche Freude, über das Eintreffen des Busses, wich nun schnell der Panik, aber einige Männer drängten sich mit wichtiger Mine vor, so als wären sie in der Lage und entschlossen, die Situation zu lösen. Die Männer sprachen maximal ein paar Brocken englisch, aber der Busfahrer nur spanisch und zuckte nur mit den Schultern. Als dann pünktlich die Reiseleitung eintraf, stellte sich heraus, daß der Busfahrer noch garnicht wusste, wo er hinfahren sollte, er hatte nur den Auftrag gehabt, um eine bestimmte Uhrzeit vor dem Hotel zu erscheinen.

volcan de taburiente naviera armas im hafen von san sebastian de la gomera
Die "Volcán De Taburiente" der Reederei Naviera Armas bringt drei Mal täglich bis zu 1500 Passagiere von Los Christianos auf Teneriffa nach San Sebastián de La Gomera und zurück.

Um es abzukürzen: Man fliegt nach Teneriffa-Süd, denn Teneriffa hat einen Nordflughafen und einen Südflughafen. Der Nordflughafen "Los Rodeos" wird hauptsächlich für Inlandsflüge genutzt z-B. nach La Palma, El Hierro, Gran Canaria oder Madrid und der Südflughafen "Reina Sofia" für internationale Flüge. Vom Flughafen nimmt man dann entweder ein Taxi nach Los Cristianos, sagt aber nach dem Ort noch deutlich "Muelle", daß man zum Hafen möchte, oder den Bus Linie 111, der hält direkt am Ausgang von Aeropuerto Sur, also der erste von rechts. Dem Busfahrer ist es relativ egal, was man sagt, solange es "Los Cristianos" ist, denn da gibt es nur eine Haltestelle. Die schnelleren Busse, wie die Linie 111, fahren nämlich über die Autobahn Autopista Sur (TF-1) und halten dann nur jeweils am Ortseingang, andere Busse fahren die Nebenstraßen und halten dementsprechend häufiger. Mit dem Bus in Los Cristianos angekommen, muss man dann noch quer durch die Innenstadt, merkwürdigerweise gibt es am Fähranleger keine Bushaltestelle. Das ist auch eigentlich kein Problem, die Entfernung ist nicht so groß und der Weg zum Hafen erschließt sich von selbst, aber man sollte den Klimaunterschied nicht unterschätzen, wenn man im Winter aus Deutschland kommt. Von der Bushaltestelle in der Avenida Juan Carlos I biegt man erstmal nach rechts, in die Avenida Ámsterdam und hält sich am nächsten Kreisverkehr links. Die Avenida Los Playeros führt dann beinah direkt zum Hafen.

Die Olsen-"Bande"

Wer nicht pauschal reist, muss immer mit einem gewissen Zeitverzug bei der Anreise nach La Gomera rechnen. Besonders verrückt war es Karneval 2014. Es war Karnevals-Sonntag in Deutschland, aber auf den Kanarischen Inseln fallen die Karnevalstage anders, weil viele Einheimische auf den anderen Inseln Verwandte oder Bekannte haben, reisen sie dort hin, um Karneval zu feiern und deshalb findet der Karneval zeitversetzt statt, damit man möglichst viele Veranstaltungen auf den verschiedenen Inseln besuchen kann. So war ich froh, daß ich frühzeitig am Reina Sofia angekommen bin und es mit dem Linienbus rechtzeitig zur Mittagsfähre zur Mole nach Los Christianos geschafft hatte. Ich hätte also noch gemütlich am Hafen einen Kaffee trinken und etwas essen können, bevor die Fähre losfahren würde. Im Hafengebäude war dann auch der Ticketschalter der Fred. Olsen Express geöffnet und die Mitarbeiter verkauften fleissig Fahrkarten.

Nur der Fahrkartenschalter von Fred Olsen? Ich wäre lieber mit dem Dampfer von Naviera Armas gefahren, denn soviel Zeit muss sein, eine gemütliche Dampferfahrt wäre eine bessere Einstimmung auf den Urlaub, statt mit der hektischen Katamaran-Fähre zu fahren. Ich war also gezwungen ein Fred-Olsen-Ticket zu kaufen, weil ich nicht wusste, was mit der Armas-Fähre los war, und ich möglichst schnell auf die Insel kommen wollte.

Pez Volador – Der fliegende Fisch!

In früheren Zeiten gab es ja nur die "Ferry Gomera" von Olsen, obwohl sie bereits 1972 gebaut wurde, sah sie nicht so Vertrauen erweckend aus. Das lag aber vermutlich nur daran, daß sie in schlichtem Grau gehalten war. Oder am Retro-Design. Anscheinend war es eine Zeitlang beliebt, Schiffe im Retrodesign zu bauen. Innen gab es ausladend geschwungene Treppenhäuser mit Geländer aus edlen Hölzern und Vertäfelungen aller Art, die den ängstlichen Passagier vielleicht an die "Titanic" erinnerten, aber die Lautsprecherdurchsage in verschiedenen Sprachen versicherte, daß es sich um ein hochmodernes Transportmittel handelte. 1980 wurde sie umbenannt in "Benchijigua" und 2002 nach den Philippinen verkauft, wo sie unter dem Namen "Gesegnete Mutter" weiterhin Dienst tat.

Wenn man von Teneriffa nach La Gomera, oder umgekehrt, mit dem Schiff fährt, ist es so, dass die Inseln ziemlich dicht nebeneinander liegen. Das Wasser des heranbrausenden Atlantiks muss sich also durch eine Engstelle zwängen, wenn es auf die Kanarischen Inseln trifft. Das führt dazu, daß das Schiff immer seitlich verdreht wird. Es gibt also dort nicht nur das Übliche Auf und Ab der Wellen, sondern auch mit jeder Welle eine seitliche Drehung von wenigen Grad, die der Steuermann vermutlich ständig ausgleichen muss, um auf Kurs zu bleiben. Die ersten Fahrten mit der Benchijigua konnte ich daher garnicht so schön finden, weil ich mich bis zur Hafeneinfahrt von S.S. del La Gomera, darauf konzentrieren musste, nicht seekrank zu werden.

Irgendwann gab es dann im Hafen von Los Christianos ein kleines Tragflächenboot mit dem Namen "Pez Volador", der fliegende Fisch! Ein Hydrofoil, registriert in Palma de Mallorca. Ich dachte "Das ist die Rettung!" damit kommst Du blitzschnell rüber, zur Insel, und musst Dich nicht mit Seekrankheit befassen. Aber weit gefehlt! Innendrin gab es einen Passagier-Raum mit Sitzen, wie im Flugzeug, nur ohne Sicherheitsgurte. Ich setzte mich also dahin, wie in einen Reisebus, ich glaube, ich war fast der einzige Passagier auf dieser Fahrt. Eine Bar, oder sonstige Erleichterungen gab es nicht. Und kaum war das Boot losgefahren, wurde ich wild hin und her gerüttelt, daß ich mich kaum auf dem Sitz halten konnte. Von nun an war ich gezwungen, mich mit den Knien am Sitz vor mir zu verkeilen und mich noch mit der ein oder anderen Hand an den Armlehnen festzuhalten, um nicht wild durch die Bude zu fliegen. Also, es war eine sehr anstrengende Überfahrt und ich bin auch dann nicht wieder mit dem Tragflächenboot gefahren, weil mir das zu anstrengend war. Aber immerhin: Das Antriebssystem der "Pez Volador" wurde von der Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen in Deutschland gebaut, einer Marke von Rolls-Royce, die weltweit führend in der Herstellung von Dieselmotoren ist.

Wahrscheinlich war ich nur zu weich-eierig für dieses Boot, oder man hätte es besser weiterhin auf Palma de Mallorca fahren lassen. "Für den Atlantik leider nicht geeignet!" Jedenfalls bin ich danach dann doch lieber mit der "Ferry Gomera" gefahren.

Als ich dann an der Reihe war, eröffnete man mir, daß das Schiff erst um 17 Uhr abfahren würde. Erst um 17 Uhr? Es war zwischen 12 und 1 Uhr mittags und ich sollte bis 17 Uhr hier warten? Ja, das Armas-Schiff würde neu angestrichen und deshalb an diesem Tag garnicht fahren und die Olsen-Fähre auch nicht so häufig wie sonst, wegen Karneval. Ich kaufte also das Ticket für den Katamaran und drückte mich den Rest des Tages in Los Christianos / Playa de las Americas herum.

Als die angekündigte Abfahrtszeit näher rückte, begab ich mich wieder zum Anleger, aber da war kein Schiff. Und es kam auch kein Schiff. Auf Marinetraffic konnte ich sehen, daß die Olsen-Fähre im Hafen von La Palma lag und obwohl die angekündigte Abfahrtszeit immer näher rückte, blieb die Fähre unbeweglich im Hafen von La Palma. Irgendwann tauchten auch die Mitarbeiter des Fahrkartenschalters die die Tickets für 17 Uhr verkauft hatten, im Hafengebäude auf und es kam Bewegung in die wartende Menschenmenge weil man glaubte, es würde jeden Moment ein Schiff um die Ecke biegen und die Reise weitergehen. Aber die Bediensteten ließen nur die Rollos runter, schloßen die Türen von innen ab und wurden für den Rest des Tages nicht mehr gesehen. Mittlerweile hatten sich ca. 200 Leute im Hafen eingefunden und warteten auf das versprochene Schiff, aber nichts passierte. Die Abfahrtszeit verstrich und die Leute warteten immer noch. Hin und wieder huschte ein Mitarbeiter vom Hafen oder von der Reederei vorbei, schloß schnell eine Tür auf und verschwand eiligst dahinter. Nach zwei bis drei Stunden Warterei konnte man die ersten Anzeichen von Ungeduld bei den Wartenden feststellen und hin und wieder versuchten Einheimische, die Situation zu klären, wenn wieder jemand auftauchte, der so aussah, als hätte er was mit dem Hafen zu tun. Aber auch die bekamen keine Information, ob denn noch ein Schiff kommen würde und wenn ja, wann? Irgendwann kam tatsächlich ein Schiff; die "Volcán De Taburiente" der Naviera Armas, die ja nicht fahren konnte, weil sie angestrichen wurde, aber irgendwie war es selbstverständlich, daß dieses Schiff uns mitnehmen würde, denn obwohl alle ein Olsen-Ticket gekauft hatten, strömten sie zum Anleger, um auf das Schiff zu gelangen - und siehe da; die Armas-Reederei akzeptierte die fremden Fahrkarten und niemand musste im Hafen von Los Christianos zurückbleiben.

Die Fähre roch zwar stark nach frischer Farbe und man blieb beinah am Boden kleben, aber zwischen 22 und 23 Uhr waren wir endlich auf See! Übrigens hatten auch die Linienbusse im Hafen von San Sebastián de La Gomera auf die Fähre gewartet - und so ist es mir gelungen, in kaum 12 Stunden die gut 100 Kilometer vom Flughafen Teneriffa Süd bis ins Valle Gran Rey zu schaffen.

Mehr davon...

In den meisten anderen Ferienorten auf den Kanarischen Inseln, oder den Balearen, gibt es nur Unterkünfte für Pauschalurlauber, die von der Heimat aus, nur in einem Komplettpaket mit Flug und Transfer gebucht werden können. Schon vor 30 Jahren machte ich die Erfahrung, daß anständige Zimmer im Valle Gran Rey kaum mehr als 1000 Ptas. (17 DM) kosteten. So zum Beispiel bei der Concha in Calera mit Gemeinschaftsbad und -küche, ein Hotelzimmer in der Casa Maria oder Ferienwohnungen weiter oben im Tal, waren sogar noch preiswerter. Für 500 DM im Monat gab es sogar komplette Häuser, die mit mehreren Leuten bewohnt werden konnten oder vom Mieter an zufällig vorbeikommende Zimmersuchende untervermietet wurden.

bar casa maria pension las jornadas valle gran rey gomera
Die Bar "Casa Maria" war Jahrzehnte lang eine Institution im Valle Gran Rey. Ursprünglich soll es auf dem Vorplatz noch ein Palmendach gegeben haben, was aber irgendwann, auf Drängen der anderen Gastwirte, abgebaut werden mußte. Maria ist leider am 16.04.2015 verstorben und damit hat das pulsierende Herz des Valle Gran Rey aufgehört zu schlagen.

Immer eine günstige Übernachtungsmöglichkeit für die, die nicht am Strand schlafen wollten, war die Bar Maria bzw. Pension "Las Jornadas" im selben Haus. Die Übernachtung bei Maria war meistens etwas günstiger, als anderswo, die Zimmer dafür teilweise recht originell: Wenn man Glück hatte, gab es ein Zimmer mit Zugang zur Dach-Terrasse oder, als letzte Möglichkeit ein Zimmer mit einem Fenster zum Treppenhaus, weil in der seitlichen Häuserwand keine Fenster eingebaut waren.

Der hintere Gastraum in der Bar Maria diente der Familie gleichzeitig als Wohnzimmer; dort stand ein alter Küchenschrank und auf Resopal-Möbeln mit Wachstuch-Tischdecke sass die Oma und machte mit den Enkeln Hausaufgaben, während rundherum die Restaurant-Gäste speisten. Das Wichtigste war, dass es dort jeden Tag Paella gab, die man auch einzeln bestellen konnte und nicht, wie sonst in Spanien üblich erst ab 2 Personen. Für 600 Ptas. gab es einen Riesenteller Paella mit dem, was gerade in der Küche noch vorhanden war; manchmal war es mehr Kaninchen und Geflügel, eher die typische Paella Valenciana auf den Kanarischen Inseln und an anderen Tagen mit mehr Meeresfrüchten, wie der Tourist sie kennt.

Nach dem Tode der señora Maria ist leider unklar, wie es mit dem Betrieb weitergeht, in den einschlägigen Gomera-Diskussionsgruppen brodelt seit Langem die Gerüchteküche, aber den aktuellen Stand der Dinge habe ich jetzt, drei Jahre nach meinem letzten Besuch, noch nicht erfahren können.

Je preiswerter, desto rustikaler wurde es natürlich. Das günstigste Haus war zu finden am oberen Ende des Valle; Super-Aussicht, Traumblick bis zum Meer, aber kein fließendes Wasser. Vermutlich auch kein Strom, aber das war in der Pre-Handy-Ära ohnehin zweitrangig. Vor dem Haus ging die Bewässerungsrinne für die Bananen-Plantagen vorbei und wer morgens früh aufstand, konnte sich dort den Tagesbedarf an Wasser in alle möglichen Behältnisse abfüllen. Was geblieben ist, damals wie heute; die Gomeros sind ein äußerst liebenswürdiges und gastfreundliches Volk und bieten Unterkünfte für Touristen an, mit einem faszinierenden Mix aus europäischem Standard und typischen Kanaren-Style und in jedem Fall ist es immer ein Domizil für eine unvergessliche Urlaubszeit.

Als ich mal eine Nacht in El Medano auf Tenerife verbringen musste, bekam ich nach langer Suche für den doppelten Gomera-Preis nur ein Zimmer in einer Pension, die einem Obdachlosen-Asyl glich: ein Bett, ein Stuhl und eine nackte Glühbirne - dass war`s. Morgens traf ich ältere Herren, gekleidet in Feinripp-Doppelripp Unterwäsche, die über ein Geländer gebeugt in einen Innenhof starrten und die Hoffnung im Gesicht trugen, daß sich dort unten vielleicht mal etwas Besseres offenbaren würde, als es derzeit der Fall war. Mittlerweile ist die Bude lange abgerissen, sie muss sich unten links neben dem Hafen befunden haben und ist einem futuristisch anmutenden Block gewichen, dessen Nutzung sich mir nicht erschliesst - vermutlich handelt es sich dabei um ein Parkhaus.

Wer also von April bis Oktober in das Valle Gran Rey möchte, braucht nur einen Flug zu buchen und wird vor Ort mit Sicherheit, ohne langes Suchen, eine annehmbare Bleibe finden. Wer nicht lange herumlaufen möchte, um eine Unterkunft im Valle Gran Rey zu finden, steht auch Hilfe bereit, denn Zimmervermittler und Vermieter halten sich oft in der Nähe der Bushaltestellen auf und machen auf sich aufmerksam, wenn müde Touristen aus dem Bus steigen. So geschehen, an der Saftbar in Calera oder am Marktplatz, wo sich jetzt der "Bushof" befindet. Dort kann der Urlauber auch, gleich nach der Ankunft, die gomera-eigene Pfeifsprache "El Silbo" erleben: Hat der Reisende verstanden, daß die Person, dort auf der Treppe zum Markt, ihm eine Unterkunft anbieten will, dann steckt sie sich gleich den die Finger in den Mund und beginnt zu Pfeifen. Ist der Touri zunächst irritiert, hört er sodann ein regelrechtes Pfeifkonzert an den Berghängen des Valle Gran Rey widerhallen. Anschließend beginnt die Angesprochene (meist sind es Frauen, die die Zimmer vermitteln) wortreich zu erklären: "Dritter Treppenweg links und dann da hochgehen..."

Übrigens, gibt es solche Pfeifsprachen auch anderswo. Vielleicht nicht so hoch-entwickelt, wie auf La Gomera. Jedenfalls fragte ich mal einen jungen Herren, in Carvoeiro, Portugal, der dort mit einer knallroten Schiebermütze auf sich aufmerksam machte, ob man bei ihm vielleicht Heilkräuter zum Rauchen erwerben könnte - und gleich ertönte dort auch ein Pfeifkonzert durch die Stadt. Sogar in der Polizeistation ging auf einmal das Licht an. Und siehe da! Nach wenigen Minuten tauchten zwei Jugendliche auf einem Motorroller bei mir auf, und boten mir diverse Heilkräuter in guter Qualität zum Kauf an!

san pedro ermita la playa gomera valle gran rey
Ein Beispiel, wie verschiedene Interessengruppen auf La Gomera friedlich miteinander leben: Auf dem "Petersplatz", der Plaza de San Pedro im Valle Gran Rey, hält der Pfarrer seine Messe während rundherum Kinder spielen, Straßenmusik gemacht wird und Akrobaten ihre Kunststücke vorführen. Später waren die Stuhlreihen auch besetzt, überwiegend mit älteren Damen aus dem Ort und der Platz war noch voller, weil das abendliche Ritual des Sonnenuntergang-Guckens begonnen hatte. Da war die verehrte Señora Maria noch am Leben. Wieder so ein Foto-Moment, den man leider verpasst hat...

Traditionell verbringen eingefleischte Gomera-Fans seit Eh und Jeh die erste Nacht am Strand. Wer also das Abenteuer nicht scheut, oder für den Worst-Case vorbereitet sein will, nimmt einen leichten Schlafsack mit und verbringt die erste Nacht am Playa del Inglés und macht sich erst am nächsten Morgen gut ausgeruht und gestärkt mit einem Café con leche oder gar einem Carajillo auf Zimmersuche.

Pardelas, Sturmtaucher

So vor fast 30 Jahren, die erste Übernachtung am Strand. Wir hatten ja nichts, damals :) Der erste Urlaub, noch Pauschalreise und dann siehst Du die Leute, die am Strand pennen und willst das auch machen. Also etwas Geld gespart, zuhause das Kinderzimmer verbrannt und auf nach Gomera! Bei Dunkelheit kommst Du am Playa del Inglés an und links gibt es so einen erhöhten Liegeplatz, fast wie ein Ausguck, der ist frei! Besser als jedes Hotelzimmer. Und dann liegst Du da unter freiem Himmel, die erste Nacht alleine draussen, seit der Bundeswehr, und hörst plötzlich so ein leises gackern, wie von Hühnern, was langsam näher kommt. Zuerst ja noch harmlos, aber dann steigert sich das Gackern zu einem infernalischen Geschrei, was durch Mark und Bein geht. Ist bestimmt gleich wieder vorbei, nur ein paar Tiere, die gleich wieder weg sind. Aber es werden immer mehr! Sie scheinen sich regelrecht anzuschleichen! Zuerst in der Ferne ein gemütliches Gluckern und wenn es direkt über Dir ist, markerschütternde Schreie. Was könnte das sein? Du leuchtest mit der Taschenlampe in der Luft herum, aber kannst nichts erkennen. Aber halt! Das Geschrei nimmt ab, wenn du Licht machst. Also, wie wild mit der Taschenlampe rumfuchteln, dann ist es ruhig. Aber wie soll man schlafen und gleichzeitig mit der Taschenlampe herumleuchten? Außerdem werden die Batterien das nicht lange mitmachen. Was ist das? Irgendwelche Riesen-Fledermäuse, vielleicht sogar Flughunde - oder Vampire? Jedenfalls müssen sie recht groß sein, es rauscht, fast wie ein Segelflugzeug in der Luft, wenn sie über dich hinweggleiten. Also, an Schlaf ist nicht zu denken. Du verlässt den prominenten Schlafplatz und kraxelst die halbe Nacht durch die Geröllwüste, in der Hoffnung, dass es einen Schlafplatz gibt, wo diese Flughunde nicht herumgeistern. Aber keine Chance! Sie sind überall. Irgendwann graut der Morgen und damit wird es ruhig, also schnell noch eine Runde schlafen, bevor die Guardia kommt und dann zur Bar Maria, um ein Hotelzimmer ersuchen...

schweinebucht playa de las arenas hippiestrand nacktbaden la gomera
Die Schweinebucht heißt richtig "Playa de las Arenas", was soviel wie "Sandstrand" heißt und ist bekannt als beliebter Platz für Aussteiger, die in den Höhlen unter der überhängenden Felswand campieren.

Irgendwann eine Expat kennengelernt und gefragt, was es mit diesen Monstern auf sich hat und sie antwortet nur beiläufig: "Pardela" Also keine Vampire, sondern Sturmtaucher, die fast nur auf dem Meer leben und in dunklen Nächten das Land unsicher machen. Die Sturmvögel sind verwandt mit den Albatrossen und haben Flügelspannweiten um die drei Meter, dementsprechend groß sind sie. Später habe ich sie auch gesehen. Ich bin noch so manche Nacht in den Felsen herumgekraxelt und dann sassen sie dort herum. Wenn man sie anleuchtete, waren sie wie versteinert. In der Schweinebucht hatte man einigermassen Ruhe vor ihnen, weil sie wegen der steilen Felswand nicht so tief fliegen können und manchmal lag morgens ein toter Sturmvogel kopfüber im Sand, der die Orientierung verloren hatte und gegen den Berg geknallt war. Leider ist diese faszinierende Rasse mittlerweile auch vom Aussterben bedroht, weil sie durch die zunehmende Lichtverschmutzung orientierungslos werden, was besonders die Jungvögel betrifft, wenn sie von den Nestern in den Felsen ihre ersten Flugversuche unternehmen und dabei umkommen...

Der Playa del Inglés im Valle Gran Rey auf La Gomera, Kanarische Inseln wird seit den siebziger Jahren von Hippies und Aussteigern zum Nacktbaden genutzt und niemand hat dagegen etwas einzuwenden....
Der Playa del Inglés auf La Gomera liegt etwa 700 Meter westlich der Playa de la Calera im Valle Gran Rey. Bereits in den Siebziger Jahren wurde dieser Strand von Hippies und Aussteigern auf La Gomera zum Nacktbadestrand erklärt und das ist bis heute so geblieben. Der Wellengang ist zeitweise recht stark und so verändert sich der Playa del Inglés jedes Jahr. Im den Wintermonaten kann es recht steinig sein, und die Besucher müssen näher zusammenrücken und in der Sommerzeit kommt er häufig mit großzügigen Sandflächen daher...

Aber Achtung, das Atlantische Klima kann ganz schön verfroren sein, je nachdem, wie der Wind bläst. Während es in dem einen Jahr im Februar nachts schon 27° Grad war, habe ich mir im nächsten Jahr den Arsch abgefroren, bei dem Versuch, im Valle draussen zu übernachten. Es gibt Zeiten, da kriecht der Wind einfach in jede Ritze und es ist selbst mit nordeuropäischer Winterkleidung auf den Kanaren kaum auszuhalten.

flug mit airberlin von teneriffa reina sofia nach duesseldorf international
El Médano ist für alternativ geprägte Gomera-Reisende und Rucksacktouristen ein beliebter Ort für den Zwischenstop auf Teneriffa. Denn, wenn man spät Abends am Flughafen Teneriffa-Süd ankommt, oder sehr früh morgens dort abfliegt, ist, weil die Fähre nur tagsüber und abends fährt, eine zusätzliche Übernachtung auf Teneriffa notwendig.

Noch schlimmer kann es übrigens in El Médano auf Tenerife werden, denn obwohl dieser Ort den Charme eines mondänen Seebades vermittelt, ist er auch beliebt bei allen Arten von Kite- oder Windsurfern, und das nicht ohne Grund, denn die Brise, die dort häufig weht, kann sich wirklich sehen lassen! Erschwerend kommt dort hinzu, daß man nicht nur eiskaltem Wind ausgesetzt ist, sondern die Erosion der "Sanddüne" La Montaña Roja, die sich in Wirklichkeit aus Vulkangestein zusammensetzt, vermittelt das Gefühl, man wäre einem Sandstrahlgebläse ausgesetzt. Und ich schwöre Euch: Ihr werdet Jahre später noch Partikel dieses roten Berges in Euren Handytaschen vorfinden, wenn Ihr zu falschen Zeit die Entscheidung trefft, dort zu übernachten.

Für solche Notfälle gibt es aber ein Hotel in der Straße gegenüber der Busstation von El Médano, wo für circa 50 Euro pro Nase übernachtet werden kann - und auch noch eine weitere Unterkunft, an deren Name ich mich jetzt nicht mehr erinnere. Man muss also nicht mehr, wie ich damals, im Obdachlosen-Asyl absteigen, vorausgesetzt, es ist noch ein Fuffi vom Reisegeld übrig.

Ich hab`nen Deal mit AirBerlin gemacht.
Ich hab`nen Deal mit AirBerlin gemacht.

Kanaren-Winterurlauber kennen das: eben noch bei Temperaturen im 30°-Bereich herumspaziert und kaum 4 Flugstunden später findet man sich unter einem Eispanzer wieder, so wie es diese Frau Ende März 2014 in Düsseldorf deutlich macht. Normal ist auch, wenn man spät Abends von Teneriffa landet, daß die Maschine dann vor dem Hangar parkt, weil sie gecheckt werden muss und der Reisende kann sich auf eine gefühlte halbe Stunde Busfahrt freuen, bis er endlich am Gepäckband steht. In meinem Fall kam es noch besser, weil ich notorischer Rucksackreisender bin, obwohl das garnicht erforderlich ist, war wiedermal mein Gepäck fehlgeleitet worden, weil Rucksäcke überhaupt nicht mehr Flugreisen kompatibel sind. Wie ich später erfuhr, hatte er einen Abstecher nach Gran Canaria gemacht. Der Gute! - Da wollte ich auch schon immer mal hin.

Wie gut, wenn man für solche Fälle vorgesorgt hat; Die Kanarischen Inseln sind nämlich Freihandelszone, weil sie politisch zu Europa, aber geografisch zu Afrika gehören. Das bedeutet, daß es sich dort noch gerade so lohnt, im Duty-Free-Shop einzukaufen. (Was auf den Balearen nicht der Fall ist.) Steht also einer in eisiger Kälte in Düsseldorf oder sonstwo am Flugplatz, nur in Flip-Flops und T-Shirt - und das Gepäck ist vorläufig weg, kann er/sie sich glücklich schätzen, noch eine Flasche Jack Daniels und eine Stange Lucky Strikes ohne Filter dabei zu haben, um sich die Bahnfahrt heim leichtbekleidet, etwas annehmlicher zu gestalten.

Bei dieser Gelegenheit muss ich erwähnen, dass der Verlorene-Gepäck-Service von Air Berlin einfach vorzüglich ist: Bei anderen Fluggesellschaften habe ich es erlebt, dass die Mitarbeiter nur teilnahmslos mit den Schultern zucken und sobals das Gepäck angekommen ist, muss man sich auf eigene Kosten wieder zum Flugplatz begeben, um es dort abzuholen. Aber Air Berlin liefert das verlorene Gepäck frei nach Hause! Und beschäftigt sehr motivierte Kurierdienst-Fahrer, die keine Ruhe geben und Dich immer wieder anrufen, bis sie Deinen Rucksack abgeliefert haben!


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