Ich erinnere mich noch, wie Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich ja eines Tages Polen sehr zugezogen fühlte, weil man dort einen vermeintlichen Verwandten von ihm entdeckt hatte, eines Tages verkündete, es muss wohl bei der Eröffnung der CEBIT in Hannover, gewesen sein, daß Deutschland nun eine "Medienrepublik" werde.

Das "Mobile Internet" war soeben aus der Wiege ghoben worden, also die Möglichkeit, über ein Mobiltelefon im Internet zu surfen. Und daran wurden vollmundige Versprechungen geknüpft, wie, daß es in Zukunft in Deutschland zu jeder Zeit und an jedem Ort, möglich sein werde, mit dem Mobiltelefon im Internet zu surfen. Und das zu erschwinglichen Preisen und mit geringem technischen Aufwand!

Die technischen Vorraussetzungen wurden dann tatsächlich, in den folgenden Jahren, so nach und nach verwirklicht, aber die "für jedermann erschwinglichen Preise" liessen auf sich warten...

Die Kosten, um jederzeit und an jedem Ort im Internet zu surfen, orientieren sich bis heute wohl eher am Goldpreis. Von "Erschwinglichkeit" kann wohl kaum eine Rede sein.

Ich will das mal vergleichen mit Druckertinte, denn Tintenpatronen für Tintenstrahldrucker kosten fast genauso viel, wie Gold. Auch dort wurde dem Verbraucher suggeriert, daß es möglich sein werde, Farbfotos zukünftig zu einem geringen Preis zu Hause auszudrucken und daß man nicht mehr auf den Gang zum Fotolabor angewiesen sei, um seine Urlaubsfotos mit Freunden und Verwandten zu teilen.

Nun ja, obwohl ich mir ein höherpreisiges Modell zulegte, waren meine Erfahrungen mit dem Tintenstrahldrucker eher ernüchternd.

Knebelverträge bei der 1&1 Internet AG

Im Januar 2015 suchte ich einen günstigen Anbieter für einen Handyvertrag mit Internet-Flatrate. Ich wurde fündig bei Einsundeins, sie boten eine Allnet-Flatrate für monatlich 9,99 € im ersten Jahr und 14,99 € monatlich im 2. Jahr an. Sie warben mit einem Preisnachlass von 60 €, wenn man sich diesem Vertrag für zwei Jahre unterwerfe.

Als Vielsurfer mit dem Handy suchte ich einen Smartphone-Tarif mit einem Datenvolumen von mindestens 2 GB im Monat zu einem günstigen Preis. Der Zweijahresvertrag mit der All-Net-Flat von der 1&1 Telecom GmbH schien, auf den ersten Blick, für meine Anforderungen geeignet, auf zwei Jahre gerechnet wäre ein Durchschnittspreis von 12,99 € monatlich zu zahlen. Das Werbe-Versprechen mit den "60,- EUR Preisnachlass" hätten sie sich auch sparen können, und besser direkt einen Preis von 12,99 € pro Monat angegeben.

Im ersten Jahr lief auch alles ganz gut, ich erfreute mich an dem günstigen Preis und das Datenvolumen war ausreichend.

Im zweiten Jahr kam dann die Ernüchterung, oder besser, das Böse Erwachen! Auf einmal kam immer schneller die Nachricht, dass das Highspeed-Datenvolumen aufgebraucht wäre und die Verbindungsgeschwindigkeit nun gedrosselt würde. Hatte ich zuvor noch, den größten Teil des Monats, mit hoher Geschwindigkeit surfen können, dümpelte die Verbindung nun die meiste Zeit mit gedrosselter Surfgeschwindigkeit vor sich hin. Der Besuch sozialer Netzwerke, wie Facebook, nahm sehr viel Zeit in Anspruch, weil dort viele Bilder geladen werden müssen, und selbst die Zeitung zu lesen, funktionierte bei grafiklastigen Angeboten nicht mehr. Kurz gesagt: Die Internetverbindung mit 1+1 war 3/4 des Monats unbrauchbar!

Weil ich mir nicht erklären konnte, warum mein Transfervolumen immer schon nach wenigen Tagen verbraucht war, sah ich im Kundenportal von Einsundeins nach und stellte fest, dass das die verfügbare Datenmenge im 2. Jahr nur noch 250 MB betrug! Das waren offenbar die Konditionen des mobilen Internet-Tarifs, den ich mit der 1&1 Internet AG abgeschlossen hatte! Ich will nicht bestreiten, daß ich diesen Punkt bei der Bestellung übersehen haben könnte, aber normalerweise prüfe ich Angebote im Internet sehr sorgfältig, bevor ich die Bestellung absende. Und einen Preisanstieg um 5 Euro, bei gleichzeitiger Reduzierung der Datenmenge auf ein Viertel, erschien mir schon ziemlich ungewöhnlich. So einem Vertrag hätte ich niemals zugestimmt, aber es gab keine schriftlichen Unterlagen, aus denen das hervor ging und die Tarifkonditionen im Kundenportal von 1&1 hätten inzwischen geändert worden sein können.

Ein Blick in das Kundenportal von 1&1 führte zu der Erkenntnis, dass man bei der 1&1 Internet AG anscheinend den Schock des Kunden, über den plötzlichen Verlust an Transfervolumen vorhergesehen hatte; denn "ganz exclusiv" wurde in einem persönlich gehaltenen Nachrichtenfenster mitgeteilt, dass man das Datenvolumen des vorangegangenen Jahres auch weiterhin nutzen könne, wenn man sich für 2 weitere Jahre verpflichte.

Also, Kundenfreundlichkeit sind, nach meiner Meinung, anders aus. Zumal es bei vielen Anbietern üblich ist, Verbesserungen des Angebots automatisch an Bestandskunden weiter zu geben, ohne das von einer weiteren Vertragsbindung über einen festgesetzen Zeitraum abhängig zu machen.


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